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Alexandra Rother
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Kulinarische Landesspezialitäten

Jason hat mit seiner Gefrier-Methode eine kleine Zwiebel-Revolution in Nepal losgetreten.

Hintergrund

Im Zentrum des nepalesischen Menüplans steht das Dal Bhat, ein einfaches Gericht aus gekochtem Reis und Linsensuppe. Dazu gibt’s –  je nach Ort und Budget – ein Gemüse- oder ein Fleisch-Curry. Bestandteil jedes Currys sind die in Nepal immens wichtigen Zwiebeln. Berühmt sind die nepalesischen Momos: gefüllte Teigtaschen, welche die Tibeter einst ins Land brachten. Naan ist das knusprige, immer leicht angekohlte Brot, das die Nepalesen in Rundöfen backen. Vor allem in den Städten ist Vorsicht geboten mit frischem Gemüse und Obst, das aufgrund des verschmutzten Grundwassers für westliche Mägen oft unbekömmlich ist.

Tipp 

Selbst gestandene Nepal-Reisende kennen die "Rache des Vishnu", den Durchfall, der einem im dümmsten Moment die Freude an der fantastischen Aussicht und der faszinierenden Kultur rauben kann. Als präventive Grundregel gilt: Kein rohes Gemüse, Keine rohen Früchte! Im ganzen Land, vor allem aber in und rund um grössere Städte. Hier sind die Äcker, auf denen das Gemüse und die Früchte wachsen, oft von verdrecktem Grundwasser getränkt.

Zwiebel-Boom im Hinterland

Die Aussicht von Jason’s Farm ist atemberaubend. Im Hinterland der Kleinstadt Dhulikhel hat sich der 23-jährige Mathematiker einen hügligen Flecken Land gekauft und damit begonnen, alle möglichen Nutzpflanzen zu kultivieren. 
Wir stehen auf einem kleinen Platz vor dem alten Holzhaus – den „head quarters“, wie Jason es nennt – und schauen auf die in goldenes Morgenlicht getauchten Gipfel des Himalaya-Zentralmassivs. Majestätisch erheben sie sich über die Bananen-Stauden, die Orangen- und die Guave-Bäume, die Dattelpalmen und die Pfeffersträucher. Doch Jason scheinen die 8000-Meter-Gipfel heute Morgen wenig zu interessieren. Er hat nur Augen für die kleinen grünen Sprösslinge, die seit einigen Tagen aus der trockenen Erde seiner Terrassen-Hänge spriessen. „Zwiebeln im September, das ist unglaublich“, freut sich der Nepalese, der einst aufgebrochen war, um in den USA zu studieren und danach eine Diplomaten-Karriere zu lancieren. 
Doch statt dem hochpolierten diplomatischen Parkett wählte der junge Mann die dreckigen Steilhänge fernab der internationalen Polit-Bühnen. 

„Wenn du in Nepal wirklich was verändern willst, dann begibst du dich besser nicht in den korrupten Polit-Sumpf. Veränderung kommt von unten, sie kommt in Nepal aus dem Boden.“ 

Sein Glück fand Jason in einer für einen ausgebildeten Mathematiker höchst ungewöhnlichen Betätigung: im Zwiebel-Anbau. Irgendwann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Jeder in Nepal isst Zwiebeln, jeden Tag, ob er will oder nicht. Die Zwiebel ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Und dennoch können wir unseren Bedarf an Zwiebeln mit unserer Produktion nicht mal annähernd decken“, erzählt er und buddelt einen der knapp 20 Zentimeter hohen Sprösslinge aus. 

Zwiebeln sind Wintergewächse. In Nepal werden sie seit Jahrhunderten stets im Dezember und Januar geerntet. Während den restlichen Monaten müssen über 95 Prozent der Zwiebeln aus Indien importiert werden. Die Preise steigen jedes Jahr. Selbst in der Hauptstadt Kathmandu berichten die Zeitungen regelmässig über die Preisexplosion auf dem Zwiebelmarkt. Doch, damit ist jetzt Schluss. Gemeinsam mit einem amerikanischen Biologen hat Jason eine Methode entwickelt, die es ihm erlaubt, bereits im September mit der Zwiebelernte zu beginnen. „Wir graben die Sprösslinge früh aus, frieren sie ein und setzen sie in der folgenden Monsunzeit wieder in den nassen Boden. Das Konzept ist einfach, aber es funktioniert.“ 

Die benachbarten Bauern waren Anfangs sehr skeptisch gegenüber dem jungen Grossstädter, der auf seinem Hang wie ein Wilder pflanzte und jätete und immerfort von seinem Zwiebel-Geheimnis schwärmte. Doch, als Jason dann im vergangenen Jahr schon im September mit einheimischen Zwiebeln auf dem Markt in Dhulikhel auftauchte, verstummte die Kritik. Dieses Jahr wollen vier weitere Bauern ihr Glück mit den gefrorenen Sprösslingen versuchen. „Die Zwiebel-Revolution hat begonnen“, lacht Jason, und schaut zufrieden auf die goldenen Gipfel am Horizont. 

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