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Alexandra Rother
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Alkohol in Nepal

Eigentlich ist Rakshi ja verboten. Doch die Nepalesen können ohne den Reisetrunk nicht leben.

Hintergrund

Alkohol ist in Nepal eine Luxusware, mit Ausnahme des bitter-sauren Hirse- oder Reisbiers „Rakshi“, das von Bauern vielerorts selbst gebraut wird. Nepalesen sind keine Genusstrinker. Wein oder Bier sind hier nicht flüssige Begleiter eines feinen Essens, sondern Zweckware, um – wenn nötig – die Alltagssorgen möglichst rasch zu vergessen. Alle gegarten Fruchtsäfte gelten als „Wein“. Laut einer nationalen Studie aus dem Jahr 2013 trinken Nepalesen jährlich im Schnitt weniger als einen Deziliter davon.

Tipp 

Für Touristen und wohlhabende Bürger hat Nepal dennoch eine Handvoll erstklassige einheimische Biersorten im Angebot. Die Bier-Brands Gorkha, Everest und Nepal Ice sind in Restaurants und Bars fast im ganzen Land erhältlich. Übrigens: Bier wird in Nepal in für westliche Reisende ungewöhnlich grossen 6.5dl-Flaschen verkauft.

Rakshi und die westliche Verweichlichung

Uzair duckt sich durch den niedrigen Türrahmen hindurch und betritt den etwas düsteren Hinterhof. Gerade eben stand er noch im Gedränge des nachmittäglichen Thamels. Hier aber, ein Ducken weit vom emsigen Treiben in Kathmandus Touristenviertel entfernt, ist plötzlich Platz und Raum und Ruhe. Thamel, draussen, das ist die Bühne, das Leben, die Hetze und der Stress. Der Hinterhof, hier, das ist der Backstage-Bereich, die Ruhezone, ein abgedunkelter Freiraum. „Komm, da vorne ist es“, flüstert mir Uzair zu. Der massige Malaysier lächelt und zieht ein paar Scheine aus einem dicken Bündel Rupien-Noten, den er immer in seinen abgewetzten Latzhosen mit herum trägt. Uzair geht schnell durch den Hinterhof, als ob er verhindern wollte, dass man ihn sieht. Vor einer rot angestrichenen Türe am anderen Ende des Hofes hält er, blickt sich kurz um, zwinkert mir zu und klopft an. „Kamera weg“, flüstert er und klopft erneut. Die Türe öffnet sich einen Spalt breit, eine alte Frau schaut in den Hof hinaus. Sie ist auf einem Auge blind. Mit dem anderen betrachtet sie Uzair und mich, das ungleiche Duo, das im Halbdunkel des Hinterhofs vor ihrer Türe steht. „Ja?“, fragt sie. „Rakshi“, lächelt Uzair und wedelt mit seinen Rupien-Scheinen. „Mhm“, meint die Frau, verschwindet und vergisst, die Tür zu schliessen. Uzair stösst sie einen Spalt weit auf. Wir erhaschen ein paar Blicke ins Innere des Raumes, der sich dahinter eröffnet. Ein gewölbeartiges Zimmer, an den Wänden lauter Fässer, am Boden sitzt ein hechelnder Hund. Hinten im Raum hört man, wie jemand eine Flüssigkeit in eine Flasche abfüllt. „Rakshi, Raaakshi“, singt Uzair und lacht mich an. Die Frau kommt zurück, in der rechten Hand eine alte PET-Flasche, gefüllt mit einer milchigen Flüssigkeit. Uzair drückt ihr die Scheine in die Hand, sie zählt nach, schüttelt bestätigend den Kopf und schliesst die Tür wortlos. Uzair strahlt übers ganze Gesicht. Er hat mir gezeigt, dass ers kann: Rakshi besorgen, am helllichten Tag, mitten in Kathmandu. Das Reisbier ist nicht so richtig legal hier, auch wenn es in manchen Kasten fixer Bestandteil religiöser Zeremonien ist. Verkauft wird es nur unter der Hand, getrunken nur im Geheimen. Uzair steckt die Flasche in seine Latzhosentasche, überquert den dunklen Hinterhof, duckt sich unter dem Türrahmen hindurch hinein ins emsige Treiben Thamels und versucht, sich seinen Stolz auf die erworbene Köstlichkeit nicht anmerken zu lassen.

Viel später an diesem Abend sitzen wir auf Uzairs Dachterrasse, vor uns sechs Rakshi-Flaschen von sechs verschiedenen Verkäufern, die der malaysische Künstler in den vergangenen Monaten ausfindig gemacht hat. Ich probiere von jeder Flasche einen kleinen Schluck. Der saure, bittere Geschmack ist scheusslich, ich möchte das Zeugs am liebsten gleich wieder ausspucken. Uzair sieht mir die Qualen an und lacht sein warmes Lachen. "Rakshi ist ein ehrliches Getränk: Kein Zucker, keine Farbstoffe, kein Zusatzzeugs. Einfach nur fermentierter Reis. Das ist pur, pur und unverblümt.“ Vielleicht zeugt meine Ablehnung des nepalesischen Bauerntrunks von westlicher Verweichlichung, wie es Uzair nennt. Vielleicht – und das ist meine Interpretation – aber auch einfach von gutem Geschmack.  

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