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Alexandra Rother
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Korruption in Nepal

Übergewicht beim Fluggepäck kann richtig teuer werden, oder richtig billig. Eine Frage der Moral.

Hintergrund 

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International setzt Nepal in ihrem jüngsten Rating auf Rang 116 von 175 bewerteten Staaten und verpasst ihm den Stempel „ziemlich korrupt“. Korruption grassiert in Nepal laut übereinstimmenden Analysen verschiedener Organisationen bis in die höchsten politischen Etagen. Viele Nepalesen bezahlen regelmässig Schmier- und Bestechungsgelder. Touristen sind von der nepalesischen Korruption allerdings nur in geringem Masse betroffen.

Tipp

Ein altes Hindi-Sprichwort sagt: Die Sonne geht gratis auf, alles andere kostet. Das gilt – leider –  in gewisser Hinsicht auch in Nepal, wo manche Dinge mehr kosten, als sie sollten. In besonderem Masse stimmt das für die Taxi-Tarife. Taxifahrer in Nepals Städten sind dafür bekannt, von Touristen zu hohe Preise zu verlangen. Was fast immer hilft ist ein Verweis auf den in allen offiziellen Taxis eingebauten Taxometer. Anstatt die von den Fahrern angebotenen Fixpreise zu akzeptieren, sollten Sie immer verlangen, nach Taxometer bezahlen zu wollen.

Der Check-In-Cheque

Ich bin eine der letzten, die am Check-In-Schalter für den Flug nach Istanbul anstehen. Der Flug hat drei Stunden Verspätung, Hektik ist keine zu spüren. Die Check-In-Beamten des Tribhuvan International Airports in Kathmandu lassen sich Zeit. Niemand stört sich daran, ausser ich. Mir ist das Warten unangenehm. Mein Gepäck ist zu schwer, das weiss ich. Und statt der erlaubten einen habe ich zwei Handgepäck-Taschen, die ich an Bord nehmen will. Ich hoffe auf einen mir wohlgesinnten Check-In-Menschen, der beide Augen zudrücken wird. 

Eine Stunde später bin ich endlich an der Reihe. „Namaste.“ –  „Namaste. Reisen Sie alleine?“ –  „Ja.“ –  „Das ist aber ganz schön viel Gepäck für eine Einzelperson.“ Der Beamte hilft mir, meinen grossen Rucksack auf die Waage zu hieven. 34 Kilo. Erlaubt wären 30. „Das ist zu schwer. Können Sie nicht umpacken?“ –  „Nein, das geht nicht. Kein Platz.“ 
Der Beamte schaut mich an. „Was meinen Sie, gute Frau. Zwei Dollar, und wir vergessen das Übergewicht, ok?“ 
Ich werde etwas stutzig, denke an die grossen Plakate, die an mehreren Orten auf dem Flughafengelände verkünden, dass das hier eine bestechungsfreie Zone sei. 
„Ok, klar“, antworte ich, froh darum, das Übergewicht-Problem gelöst zu haben. Ich ziehe mein Portemonnaie hervor und zwei Dollarscheine heraus. 

„Sagen Sie, wieviel Handgepäck haben Sie denn?“, fragt mich der Beamte und nimmt die beiden frischen Dollarscheine lächelnd entgegen. „Zwei, eines zu viel“, gebe ich offen zu. „Na ja, hören Sie, fünf Dollar, und dann ist das kein Problem.“ Der Beamte lächelt. Die Freude über den dicken Fisch, den er sich da so unverhofft geangelt hat, kann er nicht verbergen. Ich zögere kurz. Doch, viele Möglichkeiten habe ich nicht. Ich will mein Handgepäck unter keinen Umständen hierlassen, und auf offiziellem Weg meine sieben Sachen als „Overweight-Baggage“ einzuchecken kostete mich wesentlich mehr als fünf Dollar. Ich klaube einen Lincoln-Schein aus meinem Portemonnaie, lege ihn auf den Tresen und schaue dem Check-In-Beamten in die leuchtenden Augen. Er lächelt, steckt sich die fünf Dollar ein, schaut kurz in meinen Pass hinein, tippt etwas in seinen Computer, lässt meine Bordkarte ausdrucken und wünscht mir einen guten Flug. „Auf Wiedersehen in Kathmandu, Namaste!“

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