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Alexandra Rother
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Lebensretter in der Todeszone

Wer von der Höhenkrankheit erwischt wird, bekommt mit Suzi Hamilton zu tun. Wenn er Glück hat.

Hintergrund 

Die Höhenkrankheit (AMS – Acute Mountain Sickness) wird durch den Druckabfall, die dünne Luft und den oft zu raschen Anstieg in Höhen über 2500 M.ü.M. verursacht. Allgemeine Symptome sind starke Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Müdigkeit, Schwächeanfälle, Atemnot, Schwindel und Schlafstörungen. Die Höhenkrankheit kann theoretisch jeden befallen, unabhängig von Trainingszustand, Alter oder Trekking-Erfahrung. In schlimmen Fällen kann die Höhenkrankheit zu Hirnödemen (HACE – High Altitude Cerebral Edema), Lungenödemen (HAPE – High Altitude Pulmonary Edema) oder gar zum Tod führen.

Tipp 

In den von Touristen besuchten Trekkinggebieten in Nepal gibt es zahlreiche Infoposten und Hinweistafeln mit Tipps und Tricks zur Prävention von AMS. Grundsätzlich gilt: Über 3000 M.ü.M. sollten nie mehr als 400 Höhenmeter pro Tag überwunden werden (Schlafplatz bis Schlafplatz, zwischenzeitliche zusätzliche Aufstiege sind kein Problem). Alle drei bis vier Tage sollte ein Ruhetag eingeschaltet werden. Bei Auftreten von AMS-Symptomen sofort absteigen! Nebst ausgiebigen Akklimatisations-Phasen kann auch die Einnahme von Medikamenten wie z.B. DIAMOX (125mg, einmal täglich, ab drei Tage vor Trekking-Beginn: DIAMOX ist in Nepal rezeptfrei erhältlich) AMS vorbeugen.

Lebensretter in der Todeszone

Suzi Hamilton tritt kräftig auf das blasbalgartige Gerät, das vor ihr auf dem Boden liegt, zählt bis vier, tritt wieder, vier, Tritt, vier, Tritt, vier, Tritt… Die Anstrengung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie versucht zu lächeln, scheint ausser Atem. Dabei ist sie eigentlich hier, um anderen zu helfen, die völlig ausser Atem sind. Giordano, beispielsweise, der vor ihr in einem Raumkapsel-ähnlichen Stoffschlauch liegt und Suzi durch das transparente Sichtfenster hindurch müde anblickt. „Wir haben täglich zwei bis drei Fälle von Trekkern mit Höhenkrankheits-Symptomen“, erzählt Suzi zwischen den kräftigen Tritten, mit denen sie Sauerstoff in Giordanos Raumkapsel-Schlauch pumpt. Der Schlauch ist eine Art Simulator, in dem künstlich Druck erzeugt und die Sauerstoffkonzentration erhöht wird. Giordano liegt zwar noch immer hier, im Rescue Post in Machermo auf gut 4400 M.ü.M. Doch, wenn Suzi so weitertritt, dann wird er sich bald fühlen wie in der Po-Ebene. Von da ist Giordano vergangene Woche angereist. Sein Ziel: ein knapp zweiwöchiger Hike zu den Gokyo Seen, dann via Everest Basecamp wieder zurück nach Lukla, dem Ausgangspunkt aller Trekkingtouren im Khumbu-Gebiet. Giordano sei ein typischer Fall, keucht Suzi. „Ein trainierter, erfahrener Berggänger, der die Gefahren der grossen Höhen im Himalaya unterschätzt und nicht auf seinen Körper gehört hat.“ Die nepalesische Rettungsflugwacht fliegt mehrmals täglich zwischen Machermo und Kathmandu hin und her, um die Höhenkranken in sichere Tiefen zu bringen. „Das wäre nicht nötig, wenn die Menschen nicht so verbissen wären, wenn sie es locker angehen, wenn sie die Warnhinweise, die überall an den Wanderwegen stehen, beachten würden“, sagt Suzi ein wenig echauffiert. Sie hat aufgehört zu treten und sich neben ihre Ärztekollegen ans offene Feuer in der Mitte des grossen Raumes gesetzt. Giordano erholt sich derweil. In 30 Minuten wird er mit dem Heli abgeholt.

Suzi und ihre Kollegen sind Teil der International Porter Protection Group (IPPG), die hier in Machermo seit 2003 jede Saison einen Rescue Point, eine Art Mini-Spital, betreiben und den vorbeiziehenden Trägern, Guides und Touristen medizinische Nothilfe anbieten. Nebenher betreibt die IPPG in Machermo auch eine Lodge, in der die nepalesischen Träger und Guides gratis übernachten und sich erholen können. Jedes Jahr entsendet die britische Organisation mehrere Ärzte hierhin, die für drei bis vier Monate zum Rechten sorgen und hier, am unteren Rand der Todeszone, lebensrettende Dienste leisten. Höhenkrankheit, Beinbrüche, Fieber und Erschöpfung: Vieles kann schief gehen, wenn man sich ohne perfekte Vorbereitung in solche Höhen wagt. „Wir Menschen sind nicht gemacht für diese Region. Das vergessen wir allzu oft“, sagt Suzi und nippt an ihrem Tee. In zwei Monaten ist ihr Einsatz in der Todeszone beendet. Dann kehrt sie zurück nach Brighton, wo sie mit ihrer Familie lebt. „Meereslevel“, lacht sie. „Da gibt’s höchsten Seekranke, keine Höhenprobleme.“ Doch, bis zu ihrer Rückkehr nach England wird sie noch dutzende Male neben dem Raumkapsel-Schlauch stehen und kräftig zutreten, um Leben zu retten. 

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