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Alexandra Rother
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Wildlife (und Armee)

Linus jagte einst Maoisten. Heute schützt er wilde Elefanten vor indischen Wilderern. Mit rabiaten Methoden.

Hintergrund

Die Wildtier-Bestände in den Dschungel-Nationalparks im Süden Nepals sind während des zehnjährigen Bürgerkriegs, den maoistische Rebellen zwischen 1996 und 2006 gegen die nepalesische Regierung geführt haben, drastisch geschrumpft. Die Armee, welche in den Jahren zuvor sehr effizient gegen Wilderer in Nepals Dschungel-Regionen vorging, wurde von der Regierung im Kampf gegen die Maoisten eingesetzt. Wilderer hatten im nepalesischen Dschungel plötzlich wieder freie Bahn und machten ungehindert Jagd auf die hier lebenden Elefanten, Nashörner und Tiger. Nach dem Ende des Bürgerkriegs haben die Soldaten ihre Wachposten in den Regenwäldern wieder bezogen und reiten seither täglich mit ihren trainierten Elefanten aus, um Wilderer aufzuspüren und für Recht und Ordnung in der Wildnis zu sorgen. Die ergriffenen Massnahmen wirken. Sowohl im Chitwan als auch im Royal Bardia Nationalpark haben sich die Tiger-, Elefanten- und Nashornbestände in den vergangenen Jahren prächtig erholt.

Tipp 

Auf Initiative des WWF hin wurde 2012 die letzte Lodge im Inneren des Chitwan Nationalparks geschlossen. Die wilden Tiere sollen maximale Ruhe geniessen können. Die Touristen werden seither in Hotels und Lodges entlang der nördlichen Grenze des Nationalparks untergebracht. Dennoch ist es auch heute noch möglich, den wilden Panzernashörnern, Elefanten und – mit etwas Glück – auch dem König des Dschungels, dem Bengalischen Tiger, ganz nah zu kommen. Diverse lokale Firmen bieten geführte Ausflüge in den Chitwan Dschungel an. Besonders beeindruckend sind die täglich angebotenen Elefanten-Ausritte ins verworrene Dickicht. Vom Rücken der trainierten Vierbeiner aus lassen sich Wildtiere aus nächster Nähe ungestört beobachten.

Mit starkem Willen gegen fiese Wilderer

Linus überlegt einen Moment, schaut in die Runde und sagt dann: „Nein, das kann ich so nicht bestätigen.“ Der ernste Blick, die stramme Haltung, die perfekt sitzende Armee-Uniform: Sie lassen keine Widerrede zu. Also gebe ich klein bei und hake nicht nach. Dabei möchte ich doch eigentlich unbedingt wissen, ob die Geschichten stimmen, die man mir in Rajastan, dem Dorf an der nördlichen Grenze des Chitwan Nationalparks, erzählt hat. Linus, der Chef der kleinen Soldaten-Truppe, die ganzjährig im Nationalpark stationiert ist und die Wildtiere vor einfallenden Wilderern schützen soll, greife gerne zu drastischen Mitteln, um die jagenden Banditen in die Flucht zu schlagen. Er habe – so erzählt man sich in Rajastan – auch schon mal einen Wilderer in eine seiner gezackten Schnappfallen tappen lassen, als Strafe dafür, dass er in der Schutzzone illegal Jagd nach Nashörnern machte.

Schon zu Beginn der 90er Jahre hat Linus als junger Soldat auf dem Armee-Posten mitten im Chitwan Nationalpark Erfahrungen als Wildhüter gesammelt. Mit den beiden trainierten Armee-Elefanten ist er täglich ausgeritten, hat seine Beobachtungen notiert, Wildbestände erfasst und nach Jägern Ausschau gehalten. Er hat seinen Job immer gründlich erledigt. 1996 wurde er aus dem Dschungel abgezogen. Er spricht nicht gerne über die Zeit, die danach folgte. „Konflikt, Bomben, wir hofften auf ein baldiges Ende.“ Mehr sagt Linus nicht. Doch in seinen schwarzen Augen kann man den Schrecken ablesen, den er als Soldat im zehnjährigen Bürgerkrieg zwischen den Maoisten und den Regierungstruppen miterlebt haben muss.

Linus scheint froh, wieder hier zu sein, in seiner Station auf einer kleinen Lichtung mitten im Chitwan-Dschungel. Der grossgewachsene Mann ist ein Sohn des Waldes. In Rajastan erzählt man sich, er sei rasend geworden vor Wut, als er erfahren habe, dass die Wilderei im Chitwan Nationalpark während des Bürgerkriegs wieder zugenommen habe. Man erzählt sich, Linus habe auf allen Ebenen dafür gekämpft, wieder in den Dschungel verlegt zu werden, um die Wilderer und Jäger höchst persönlich aus „seinem“ Revier zu vertreiben. Und es scheint, als habe sich sein Engagement gelohnt. Die Wildtierbestände, die im zehnjährigen Konflikt stark unter der Abwesenheit der schützenden Armee-Truppen gelitten haben, erholen sich prächtig. 2014 gibt es mehr Panzernashörner im Park als je zuvor. Wilde Elefanten ziehen ungestört durchs Dickicht. Und auch die Tiger-Population ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Linus freut das, auch wenn es ihm schwer fällt, die sture Soldatenmaske fallenzulassen und seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Die Stimmen jener, die vor den wachsenden Wildtierbeständen warnen, schlägt er in den Wind. Die Sorgen der Parkanwohner scheinen allerdings nicht ganz unbegründet. Alleine 2013 sollen sechs Fischer am Narayani Fluss von lauernden Tigern angefallen und getötet worden sein. „Das hier ist die Wildnis“, sagt Linus in scharfem Ton. „Sie gehört den Wildtieren, nicht den Fischern und Jägern. Für die hat es anderswo mehr als genug Platz.“

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